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Musikalität und Intelligenz
In vielen Untersuchungen konnte
nachgewiesen werden, dass dennoch ein Zusammenhang zwischen Musikalität
und Intelligenz besteht. Bereits 1925 zeigte Terman an tausend
überdurchschnittlich intelligenten Kindern, dass mit einem hohen
Intelligenzquotienten auch künstlerisch-musikalische Hochbegabung weit
überzufällig häufig einher geht1. In jüngerer Zeit fand
Bastian (2000) bei deutschen Schulkindern eine Beziehung zwischen
musikalischer Begabung und Intelligenzquotienten, das heißt, die
intelligenteren Kinder waren auch musikalischer2.
Eine derartige positive Korrelation beweist aber nicht einen
ursächlichen Zusammenhang zwischen musikalischer Betätigung und
Intelligenz. Möglich ist, dass ein dritter, nicht erfasster Faktor hier
die entscheidende Rolle spielt. Denkbar wäre zum Beispiel, dass die
musikalischen und intelligenten Kinder nicht wie die durchschnittlichen
elfjährigen deutschen Kinder 3,2 Stunden am Tag vor dem Fernseher sitzen3,
sondern in Elternhäusern aufwachsen, in denen Gespräch, Austausch,
kreative Beschäftigung und Erleben aus erster Hand gefördert werden.
Ziel dieses Aufsatzes ist es, aus der Sicht der Hirnforschung eine
Bestandsaufnahme zur Frage zu liefern, ob Musizieren die Intelligenz
fördert. Dabei werden wir zunächst unseren Intelligenzbegriff
darstellen, dann die Problematik von Schulversuchen mit intensiviertem
Musikunterricht aufzeigen und die Auswirkungen von Musikerziehung auf
die Gehirnvernetzung schildern. Anschließend werden die Besonderheiten
der Gehirnorganisation professioneller Musiker referiert. Zum Schluss
sollen die derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Belege für einen
Transfer musikalischer Fertigkeiten auf andere Denkleistungen zusammen
getragen werden.
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Was ist
Intelligenz?
Die Frage, was Intelligenz eigentlich sei,
lässt auch heute noch vielerorts die Emotionen aufwallen. Hier sollen
nur zwei wichtige Intelligenztheorien kurz referiert werden, da sie für
das Verständnis der folgende Abschnitte von Bedeutung sind.
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Generelle Intelligenz
Schon der erste Intelligenzforscher
Spearman (1904) erkannte bei der Auswertung seiner Tests, dass Menschen,
die in einem Intelligenzbereich, z.B. in mathematischen Leistungen, sehr
gut abschnitten, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bessere sprachliche
oder räumlichen Leistungen erbrachten als der Durchschnitt. Spearman
formulierte auf Grund dieses Effektes das Konzept der generellen
Intelligenz G als Kernintelligenz und postulierte daneben
noch zusätzliche spezifische Intelligenzfaktoren, die später als
kristalline Intelligenz oder als Denkfertigkeiten bezeichnet
wurden. Letztere können offenbar stärker geübt werden als die
generelle Intelligenz, die stark von Erbfaktoren abhängig zu sein
scheint.4 |
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Multiple Intelligenz
Dem Konzept der generellen
Intelligenz gegenüber steht das Konzept der multiplen
Intelligenzen von Howard Gardner (1983). Gardner war
unzufrieden mit dem Schulbegriff der allgemeinen Intelligenz, der
mit Papier und Bleistift-Tests abgeprüft werden kann. Halb scherzhaft
nannte er den herkömmlichen Intelligenztest „ein Mittel, das vor hundert
Jahren in Frankreich und Großbritannien perfektioniert wurde, um
Individuen auszuwählen, die sich gut als mittlere Beamte für entlegene
Posten im Kolonialreich eignen würden.“ (Gardner 1998).
Auf der Suche nach einer alternativen Theorie trug Gardner Wissen über
den Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Dazu gehören
Erkenntnisse über die Hirnentwicklung, über die Folgen lokalisierter
Hirnschädigungen, über spezifische Gruppen von Menschen, z.B. über
Autisten und Wunderkinder sowie über Fähigkeiten und Fertigkeiten von
Menschen in fremden Kulturen, die dort geschätzt werden, die aber in der
westlichen Kultur wenig Ansehen genießen.
Auf der Grundlage dieser auch neurobiologisch fundierten Erkenntnisse
entwickelte Howard Gardner das Konzept der multiplen Intelligenzen.
Er unterscheidet sieben Intelligenzen als Grundausstattung menschlicher
Geistestätigkeit, menschlichen Wissens und Erlebens. Unter
Intelligenz wird dabei die Fähigkeit verstanden, Probleme zu lösen
oder Produkte zu erzeugen, denen in einem kulturellen Umfeld oder in
einer Gemeinschaft Wert beigemessen wird. Es soll an dieser Stelle nicht
verschwiegen werden, dass Gardner‘s Begriff der Intelligenz nach wie vor
umstritten ist, da er eher ein Konzept von Denkfertigkeiten im Sinne der
kristallinen Intelligenz beschreibt und die generelle
Intelligenz weitgehend ausklammert. |
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Die sieben Intelligenzen Howard Gardners
1. die linguistische Intelligenz
2. die logisch-mathematische Intelligenz
3. die räumliche Intelligenz
4. die musikalische Intelligenz
5. die körperlich kinaesthetische Intelligenz
6. die intrapersonale Intelligenz (Fähigkeit zur Introspektion)
7. die interpersonale Intelligenz (Fähigkeit zur Wahrnehmung der Gefühle
anderer). |
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Musikalische Intelligenz
Gardner geht davon aus, dass Musik
ein eigenständiges Zeichensystem ist. Dabei repräsentiert Musik im
Gegensatz zu Wörtern oder Piktogrammen meist nicht etwas
Gegenständliches, sondern bezieht sich auf etwas innerlich
Erlebtes. Beispiele aus unserem Kulturkreis sind etwa die Todesahnung,
die durch Tonwiederholungen in dem Liederzyklus Winterreise von
Franz Schubert oder in der Oper Lulu von Alban Berg symbolisiert
wird. Im außereuropäischen Raum ist der Zeichencharakter der Musik, z.B.
als Zuweisung bestimmter Skalen und Harmonien zu bestimmten Affekten
noch viel offensichtlicher, ähnlich wie dies auch in der europäischen
Antike und teilweise im Barockzeitalter der Fall war.
Die Klarheit der Kriterien, die Gardner5 aufgestellte, hat
viel zur Popularität seiner Auffassungen beigetragen. Dennoch sind im
Einzelfall nicht alle Bedingungen leicht zu erfüllen. Dies betrifft vor
allem die Forderung, dass eine Intelligenz überprüfbar sein muss.
Es ist einleuchtend, dass die ersten drei Intelligenzen zumindest in
relevanten Anteilen in herkömmlichen Intelligenztests abfragbar sind.
Für den Erfolg im Leben scheinen jedoch die intrapersonale und
die interpersonale Intelligenz von größerer Bedeutung zu sein.
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Macht Musik
intelligent?
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Schulversuche mit intensiviertem Musikunterricht
Aus pragmatischen Gründen wollen wir hier Howard Gardner‘s Konzept der
multiplen Intelligenzen übernehmen. Wenn also von
Intelligenzleistungen die Rede ist, bezieht sich das auf die oben
genannten sieben Intelligenz-Fertigkeiten. Da hier die Frage ist, ob
Musizieren intelligent macht, soll im Folgenden untersucht
werden, inwiefern ein Transfer der musikalischen Fertigkeiten auf die
anderen sechs Intelligenzen anzunehmen ist. Dabei sind streng
genommen nur kontrollierte Interventionsstudien aussagekräftig, d.h.
Studien, bei denen eine Experimentalgruppe vermehrt Musikunterricht
erhält, während eine Kontrollgruppe vermehrt andersartigen Unterricht
erhält. Danach wird überprüft, ob die Experimentalgruppe im Vergleich
zur Kontrollgruppe verbesserte Leistungen in anderen
Intelligenzbereichen erbringt. |
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Klaus Ernst Behne
Die besonderen Probleme derartiger
Interventionsstudien hat Klaus Ernst Behne (1995) sehr klar dargestellt.
Unspezifische Effekte können die Ergebnisse verfälschen. Allein die
Tatsache, Teilnehmer eines Experimentes – des Musikversuches – zu sein,
kann die Kinder zu überdurchschnittlichen Leistungen motivieren. Wissen
Lehrer, dass ihre Schüler an Modellversuchen teilnehmen, werden
sie möglicherweise engagierter unterrichten und den Kindern mehr
Zuneigung und Interesse entgegen bringen. Schließlich kann der Umstand,
dass Kinder durch Musikunterricht eine größere Anzahl von
Unterrichtsstunden haben oder mehr Zuwendung erfahren, die Ergebnisse
günstig beeinflussen, unabhängig davon, ob Musik oder beispielsweise
Kunst, Ballett oder Sport unterrichtet wird.6
Bereits in der Veröffentlichung von Klaus Ernst Behne wurden die bis
1994 durchgeführten Schulversuche gewürdigt. Eine vereinfachte
Metaanalyse der größeren Studien zeigt, dass intensiver Musikunterricht
positive Auswirkungen auf Sozialverhalten und Motivation der Schüler hat
(z.B. Weber et al.7). Instrumentalunterricht scheint darüber
hinaus geeignet, Aufmerksamkeit und Ausdauerverhalten positiv zu
beeinflussen (z.B. Scott8). Weniger klar ist die Aussage
hinsichtlich der Steigerung intellektueller Fertigkeiten durch
Musikunterricht. |
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Bastian-Studie
Leider gilt dies auch für die gerade
abgeschlossene, mit großem Medienecho vorgestellte Berliner
Längsschnittstudie, die unter der Leitung von H.G. Bastian (2000)
durchgeführt wurde und die hier exemplarisch etwas eingehender
vorgestellt werden soll. Zu dieser auf sechs Jahre angelegten Studie
wurden 130 Kinder in Modellschulen und 40 Kinder aus Kontrollschulen
herangezogen. Die Kinder in den Modellschulen erhielten im Rahmen von
musikbetonten Zügen einen 2-stündigen Fachunterricht in Musik, erlernten
einzeln oder in Gruppen ein Instrument und musizierten in
unterschiedlichen Ensembles.
Als ein Intelligenztest wurde eine Kurzform des Adaptiven
Intelligenz-Diagnostikum AID (1991) von Kubinger und Wurst
eingesetzt. Dieser Test untersucht Alltagswissen, schulische
Rechenfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Schnelligkeit in der
symbolischen Informationsverarbeitung im manuell-visuellen Bereich,
räumlich-zeitliches Denken, verbal-logisches Denken und soziales
Erfassen und Reflektieren.
Die Gesamtauswertung dieses Tests erbrachte nach sechs Jahren
Versuchszeit keine signifikanten Unterschiede zwischen den Modellklassen
und den Kontrollschulen. Auch hinsichtlich der Konzentrationsfähigkeit
waren die Kinder der musikbetonten Züge den Versuchskindern nicht
langfristig im Verlauf der Jahre überlegen. Als deutlicher Effekt wird
eine Verbesserung des Sozialverhaltens in den musikbetonten Zügen
beschrieben. So finden sich z.B. insgesamt weniger häufig völlig
ausgegrenzte Schüler. Darüber hinaus ist die musikalische Leistung der
Kinder in den Schulen mit intensiviertem Musikunterricht besser.9
Insgesamt ist die Bilanz dieses Schulversuches eher ernüchternd.
Methodisch unbefriedigend bleibt, dass unklar ist, ob nicht allein
unspezifische Faktoren, z.B. vermehrte Zuwendung etc. für die Effekte
verantwortlich sind. Da eine echte Kontrollgruppe, die z.B. in einem
anderen Fach, etwa Werken oder Malen eine entsprechende Mehrzuwendung
erfuhr, fehlt, kann streng genommen keine kausale Beziehung zwischen
intensiviertem Musikunterricht und den beobachteten Effekten hergestellt
werden. Vielleicht hätte intensiveres Basketballspiel die gleichen
Auswirkungen.
Gerechterweise muss allerdings an dieser Stelle gesagt werden, dass ein
nach wissenschaftlichen Kriterien angelegter Doppel-Blind-Versuch (d.h.
Experimentatoren und Versuchspersonen wissen nicht, ob sie zur
Musikgruppe oder zur Kontrollgruppe gehören) nicht durchführbar ist und
dass auch ein kontrolliertes Design erheblichen Mehraufwand mit
sich gebracht hätte.
Eindeutige Transfereffekte für sprachliche, logisch-mathematische und
räumliche Intelligenz finden sich in diesem Langzeit-Experiment nicht.
Möglicherweise zeigen sich aber Transfereffekte hinsichtlich der
sozialen Intelligenzen, das heißt eine positive Auswirkung von
Musikunterricht auf die Gardner’schen inter- und
intrapersonalen Intelligenzen. |
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Auswirkungen
von musikalischem Lernen auf die Hirnvernetzung
Trotz dieser wenig beeindruckenden
Ergebnisse der Schulversuche mit intensiviertem Musikunterricht bleibt
unbestreitbar, dass Musizieren Wirkungen auf die funktionelle
Organisation der Großhirnrinde hat. Musikalisches Lernen kann die
Nervenzell-Netzwerke der Großhirnrinde in spezifischer Weise
beeinflussen. Wir sind dieser Frage in mehreren Untersuchungen
nachgegangen (Übersicht bei Altenmüller et al10).
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Musik-/Hörerziehung und Hirnaktivität
In enger Zusammenarbeit mit dem
Freiburger Musikpädagogen Wilfried Gruhn wurden Schüler über sechs
Wochen trainiert, musikalische Phrasen als geschlossen oder als offen zu beurteilen. Dabei handelt es sich um ein musikalisches
Merkmal, das durch bestimmte harmonische und melodische Regeln und durch
Symmetriegesetze operationalisiert werden kann. Vor Beginn des
Unterrichtes wurde die Hirnaktivität während des Bearbeitens dieser
Höraufgabe mit Hilfe des Gleichspannungs-EEGs gemessen.
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In Abbildung 1 ist gezeigt, wie
derartige Messungen vor sich gehen. Die Badekappe enthält 32 Messfühler.
Sie sind mit einem Kontakt-Gel angefüllt, das die Ableitung der
Hirnströme ermöglicht. Auf diese Weise werden die minimale
Spannungsänderungen im Bereich von wenigen Mikrovolt an der
Schädeloberfläche registriert. Aus den Änderungen der
Spannungsverteilung der Kopfhaut kann man auf den Aktivitätszustand der
darunter liegenden Hirnrinde schließen.
Nach der ersten EEG-Messung wurden die Schüler zum Training in drei
Gruppen aufgeteilt. Die Gruppe A erhielt traditionellen, verbal betonten
Musikunterricht, Gruppe B erhielt musikalische Unterweisung durch
improvisatorisches Musizieren unter weitgehendem Verzicht auf verbale
Interventionen. Dieser Gruppe wurden also eher Hörfertigkeiten
vermittelt. Gruppe C erhielt keinen Unterricht. Nach den sechs Wochen
hatten beide Gruppen gleich gut gelernt, die musikalischen Phrasen zu
beurteilen. Die Hirnaktivierungsmuster unterschieden sich jedoch
hochsignifikant.
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Abbildung 2 zeigt die
Aktivierungsmuster der drei Gruppen vor (oben) und nach (unten) dem
Unterricht. Die Kopfdiagramme sind als Ansichten von oben auf das Gehirn
zu interpretieren. Die Stirnregion ist dabei nach oben, die
Hinterhauptregion nach unten gerichtet. Intensive Hirnaktivität ist
dunkelrot, wenig aktive Bereiche sind grün. Die verbal unterrichteten
Kinder (A) zeigen nach der Trainingsphase eine Mehraktivierung über den
linkshemisphärischen Stirnhirn- und Schläfenregionen, die genuin
musikalisch unterrichteten Kinder (B) jedoch eine Mehraktivierung über
dem rechtsseitigen Stirnhirn und beidseitigen Scheitelregionen. Die
Kontrollgruppe (C) zeigte eine Abnahme der Hirnaktivierung ohne Änderung
des Musters. Eine ausführliche Schilderung des Experimentes findet sich
bei Altenmüller et al. 1997 und Gruhn.11
Diese Ergebnisse zeigen, dass Musikerziehung und Gehörbildung ganz
offenbar die Hirnaktivierung und die Nervenzellvernetzung der
Großhirnrinde spezifisch beeinflussen kann. Die Art und Weise des
Lernens bestimmt die Hirnaktivierung während der Hörleistung demnach
mit. |
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Klavierspiel und Hirnaktivität
In einer weiteren Untersuchung
konnte der Einfluss musikalisch-sensomotorischen Lernens auf die
neuronalen Netzwerke in einer Querschnittsstudie an professionellen
Pianisten und in einer Längsschnittsstudie in Zusammenhang mit dem
Erlernen des Klavierspiels nachgewiesen werden.
Üben und Spielen eines Instruments beruhen immer auf einer
auditorisch-sensomotorischen Integrationsleitung des Gehirns.
Professionelle Pianisten können eindrucksvoll schildern, wie ihnen beim
Hören von Klaviermusik die „Finger jucken“, und wie anderseits beim
selbstvergessenen Trommeln mit den Fingern auf der Tischplatte vor dem
„inneren Ohr“ Klaviermusik erklingt. Marc Bangert aus unserem Labor
zeigte in einer Reihe von Experimenten, dass professionelle Pianisten
beim Hören von Klaviermusik ihre motorische Handregion und beim
lautlosen Klavierspiel auf einer Tastatur ihre Hörrinde aktivieren.
Bei musikalischen Laien kommt es beim Erlernen des Klavierspiels
erstaunlicherweise zu ähnlichen Effekten. Bereits nach vier Minuten
Klavierüben entsteht bei Anfängern eine funktionelle Kopplung mit
gleichzeitiger Aktivierung der Nervenzellverbände in den Hörrinden und
den sensomotorischen Arealen (Bangert et al. 1999). In Abb. 3 ist ein
Beispiel für einen derartigen raschen Lerneffekt gezeigt. Ein Anfänger
hatte die Aufgabe, nach dem Hören einfacher, 3 Sekunden langer
Klaviermelodien im Fünf-Ton-Raum diese mit der rechten Hand
nachzuspielen. War die Wiedergabe korrekt, wurde der Schwierigkeitsgrad
der vorgegebenen Melodien erhöht, bis keine weitere Steigerung der
Nachspielleistung mehr erreicht werden konnte. In der Regel war die
Leistungsgrenze in einer Übesitzung nach 20 bis 30 Nachspielaufgaben
erreicht.
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In Abbildung 3 sind die Änderungen
der Hirnaktivität nach einer acht Minuten dauernden Trainingssitzung
dargestellt. In den beiden symbolisierten Kopfdiagrammen ist dabei links
die Änderung der Hirnaktivierung beim Zuhören, rechts beim Nachspielen
dargestellt. Die Kopfdiagramme sind als Aufsichten auf die Großhirnrinde
zu verstehen (oben entspricht jeweils der Stirnhirnregion, unten der
Hinterhauptsregion). Eine Zunahme der Hirnaktivität nach dem Training
ist dunkel, eine Abnahme weiß kodiert. Man erkennt deutlich, dass nach
dem Training schon beim Anhören der Aufgabe die zentral gelegenen
motorischen Großhirnareale aktiviert werden. Beim Nachspielen dagegen
zeigen sich nach dem Training vor allem in den links und rechts seitlich
gelegenen Schläfenregionen zusätzliche Aktivierungen. Dies entspricht
einer verstärkten Aktivierung der Hörrinde.
Die Kopfdiagramme können eine Vorstellung geben, welche
Anpassungsvorgänge in der Großhirnrinde schon nach wenigen Minuten Üben
ablaufen. Sie zeigen aber auch, dass beim Klavierüben weit verzweigte
Nervenzellnetzwerke mit Einbeziehung fast aller Großhirnstrukturen
aktiviert werden. Bereits nach fünf Wochen Training am Klavier sind
diese zunächst nur vorübergehenden Änderungen der neuronalen Vernetzung
stabil und es kommt bei Klavieranfängern dann zu einem ähnlichen
Aktivierungsmuster wie bei den professionellen Pianisten.
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Klavierspiel und Intelligenzquotient
Können derartig veränderte
Nervennetzwerke auch für andere Intelligenzleistungen nutzbar gemacht
werden? Können wir diese „Nervenfaser-Autobahnen“ auch im Alltagsleben
für schnelleren Informationsfluss und für effizienteres Denken
einsetzen?
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Eine Antwort auf diese Frage müssten wir
erhalten, wenn wir die Entwicklung von Intelligenzquotienten über
mehrere Jahre bei Kindern mit und ohne Klavierunterricht vergleichen.
Dieses Experiment wurde in den Jahren 1994 bis 1997 in Montreal durch
Eugenia Costa-Giomi durchgeführt. 67 Kinder aus eher sozial schwachen
Familien erhielten über drei Jahre Klavierunterricht, 50 Kinder waren in
der Kontrollgruppe ohne Klavierunterricht. Während zu Beginn der Studie
alle Kinder den gleichen, sprachliche, räumliche und mathematische
Leistungen umfassenden Intelligenzquotienten aufwiesen, zeigte sich nach
zwei Jahren Klavierunterricht ein Vorsprung der Klavierschüler, der
allerdings nach drei Jahren von den Kindern der Kontrollgruppe wieder
aufgeholt war (Abb.4).
Offensichtlich kam es also Kindern nur zu einem vorübergehenden Effekt.
Es stellt sich nun die Frage, ob vielleicht die Dauer des
Klavierunterrichtes nicht ausreichend lang war oder die Kinder nicht
genug übten um eine deutlichere Wirkung zu erzielen. Eine Antwort darauf
findet man, wenn man die Intelligenzquotienten von Berufspianisten
betrachtet. Sind Berufsmusiker die intelligenteren Menschen?
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Musikergehirne
sind anders
Die Ergebnisse von Intelligenztestungen an
größeren Gruppen von Musikern sind uneinheitlich. In einer noch
unveröffentlichten neuen Studie an Studenten der Hannoveraner
Musikhochschule zeigten diese im Vergleich zu Studenten anderer Fächer
bessere verbale Leistungen, aber schlechtere logische Leistungen
(mündliche Mitteilung, Dr. Susanne Brandler, Universität Göttingen).
Ungeachtet der uneinheitlichen IQ-Test-Ergebnisse zeigen mehrere
Untersuchungen ganz klar, dass sich die Vernetzung und sogar die äußere
Form des Gehirns von Berufsmusikern im Vergleich zur Normalbevölkerung
unterscheidet. Langjährige Übung der Feinmotorik führt bei Musikern zu
einer Veränderung der Größe der Handregionen in den primären motorischen
Hirnrindengebieten (Amunts et al. 1997).
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Rechte und linke Hirnhälfte
Mit Hilfe der Kernspintomographie
wurde eine große Gruppe professioneller Pianisten untersucht und mit
einer altersgleichen Gruppe von Nicht-Musikern verglichen. Es zeigte
sich, dass bei Musikern im Gegensatz zu den Nicht-Musikern keine
deutliche Asymmetrie zwischen den motorischen Handarealen der linken und
der rechten Hirnhälfte nachweisbar war und dass insgesamt die motorische
Handregion auf beiden Hirnhälften bei den Musikern etwas größer war.
Diese Unterschiede waren besonders bei denjenigen Instrumentalisten
deutlich, die vor dem Alter von sieben Jahren mit dem Instrumentalspiel
begonnen hatten.
Mit der gleichen Messmethode wurde auch die Größe des Balkens, - der
mächtigen Faserverbindung zwischen der rechten und der linken Hirnhälfte
- bei Pianisten und bei Geigern im Vergleich zu Nicht-Musikern
untersucht (Schlaug et al. 1995a). Passend zu den oben dargestellten
Ergebnissen fand sich eine Vergrößerung des vorderen Anteils des Balkens
bei den Berufsmusikern, die vor dem Alter von sieben Jahren mit dem
Instrumentalspiel begonnen hatten. Hier kann argumentiert werden, dass
die funktionelle Beanspruchung der beidhändigen Koordination mit dem
notwendigen raschen Informationsaustausch zwischen beiden Hirnhälften zu
einer schnelleren Nervenleitfähigkeit führt.
Auch die somatosensible „Gefühls“-Repräsentation der Handregion ist bei
Musikern vergrößert. Mit Hilfe der Magnetoenzephalographie kann in der
somatosensiblen Handarea der Hirnrinde die Größe der
Nervenzellpopulationen, die auf einen Gefühlsreiz der Finger ansprechen,
abgeschätzt werden. Beim Vergleich von professionellen Geigern mit
altersgleichen Nichtmusikern zeigte sich, dass mit Ausnahme des Daumens
die kortikale Repräsentation der Finger der linken Hand bei Geigern
deutlich größer war als in der Vergleichsgruppe. Der Größeneffekt war
wiederum abhängig vom Alter, in dem die Probanden das Violinspiel
begonnen hatten, und am stärksten bei denjenigen, die vor dem Alter von
sieben Jahren den ersten Geigenunterricht erhalten hatten (Elbert et al.
1995). |
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Hörrinde
Aber nicht nur die sensomotorischen
Hirnregionen werden durch das lange Training der Berufsmusiker
verändert. Auch die Hörrinde weist bei hochtrainierten Musikern
Besonderheiten auf. Absoluthörer besitzen eine relativ größere
Ausprägung der Hörrinde im Bereich der linken Schläfenregion (Schlaug et
al. 1995b). Schließlich zeigen neueste, noch unveröffentlichte Befunde,
dass auch das für die feinmotorische Koordination mit zuständige
Kleinhirn bei Musikern im Vergleich zu Nicht-Musikern vergrößert ist.
Die in diesem Abschnitt berichteten Befunde zeigen, dass sich das
Zentralnervensystem beim professionellen Musizieren funktionell und
sogar strukturell anpasst. Wie bei allen anderen komplexen Lernvorgängen
sind diese Anpassungsvorgänge im frühen Kindesalter zwar am deutlichsten
ausgeprägt, halten aber das gesamte Leben lang an! |
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Transfer-Effekte von Musizieren auf andere Gardner'sche Fertigkeiten
Nach diesem Exkurs in die Welt der hoch
spezialisierten Musiker-Gehirne wollen wir einen kurzen Überblick geben,
welche wissenschaftlich fundierten Belege für einen Transfer
musikalischer Fertigkeiten auf andere Gardner’sche Denkleistungen
sprechen.
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Linguistische Intelligenz
Beginnen wir mit dieser ersten
Gardner’schen Intelligenz. Die Chinesin Agnes Chan und Mitarbeiter
konnten 1998 nachweisen, dass Musiker über ein besseres Wortgedächtnis
als Nichtmusiker verfügen. Hier ist allerdings anzumerken, dass die
chinesische Sprache besonders „musiknah“ ist und einige Besonderheiten
aufweist. So dienen in der chinesischen Sprache Wortmelodien und
Melodiekonturen der Übermittlung von Wortbedeutungen. Überzeugende
Daten, die einen Übertrag musikalischer Fertigkeiten auf sprachliche
Fertigkeiten im deutschen oder indogermanischen Sprachraum beweisen,
existieren nicht. |
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Logisch-mathematische Intelligenz
Obwohl seit der Antike der
Zusammenhang zwischen Musik und Mathematik immer wieder betont wird,
liegen Untersuchungen, die einen Übertrag auf die logisch mathematische
Intelligenz vermuten lassen, bislang noch nicht vor. Wir können nur
vermuten, dass aktives Musizieren auch mathematische Fertigkeiten
fördert, denn wer Fingersätze befolgt, sich mit Sechzehnteln, Triolen
und 7/8-Rhythmen auseinandersetzt, hat etliche mathematische
Grundoperationen verinnerlicht. |
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Räumliche Intelligenz
Besser ist die Datenlage in Hinsicht
auf die räumliche Intelligenz. Der Mozart-Effekt, auf den
sich auch das eingangs wiedergegebene Zeitungszitat bezog, wurde
erstmals 1995 beschrieben. Frances Rauscher ließ Studenten komplizierte
zeitlich-räumliche Denkaufgaben lösen. Ein Beispiel für eine derartige
Falt- und Schneideaufgabe ist in nebenstehender Abb. 5
dargestellt. Die oben aufgeführte Reihe zeigt, wie das Papier zu falten,
zu spiegeln, zu drehen und einzuschneiden ist. Die Probanden müssen
entscheiden, welches der unten abgebildeten Muster dabei entsteht.
Zuvor hörten die Versuchspersonen zwanzig Minuten entweder die
Klaviersonate in D-Dur für zwei Klaviere von Wolfgang Amadeus Mozart
oder minimalistische Musik, oder sie warteten in einem stillen Raum.
Interessanterweise waren Mozarthörer in der Lösung der Denkaufgabe
deutlich überlegen.
Leider hielt der Mozart-Effekt aber nur ca. 20 bis 30 Minuten
nach Abklingen der Musik an. Insgesamt scheint er nur schwach ausgeprägt
zu sein, denn zahlreiche andere Forscher konnten die Ergebnisse nicht
wiederholen. Darüber hinaus betrifft der Mozart-Effekt nicht allgemein
räumliches Denken, sondern ausschließlich räumlich-zeitliche Aufgaben
(Übersicht dazu bei Chabris 1999). Schließlich ist der Effekt nicht auf
die Musik Mozarts beschränkt, sondern kann auch durch zweitrangige
Komponisten und auch durch das Hören von Shakespeare-Sonetten ausgelöst
werden. Auch wenn der Mozart-Effekt stark umstritten ist, sollte
man dennoch vermuten, dass Musizieren räumliche Fertigkeiten übt, denn
räumliche Vorstellung und Bewegungen im dreidimensionalen Raum bilden
die Grundlage der Beherrschung fast aller Musikinstrumente.
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Musikalische Intelligenz
Dass Musizieren die musikalische
Intelligenz fördert, bedarf keiner Erläuterung und konnte auch in
Berliner der Studie von Bastian überzeugend gezeigt werden.
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Körperlich kinästhetische Intelligenz
In Hinblick auf die
Bewegungsintelligenz ist es nahe liegend, dass intensives Training der
Feinmotorik am Instrument auch im Alltag nützlich sein kann. Neue
Befunde aus der Motorikforschung sprechen dafür, dass geübte Bewegungen
tatsächlich auch außerhalb des geübten Zusammenhanges die motorischen
Fertigkeiten verbessern (Hundt-Georgiadis und v. Cramon 1999).
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Personale Intelligenzen
Kommen wir schließlich zu den beiden personalen Intelligenzen:
Wer das Übezimmer verlässt und im
Blockflötenkreis oder in der Big-Band der Schule musiziert, benötigt die
Fähigkeit, andere Menschen ganz genau wahrzunehmen. Er muss auf sie
eingehen, ihnen „nachgeben“, mitschwingen, taktvoll sein. Und wer mit
Musik seine Gefühle anderen Menschen mitteilen möchte, muss sie vorher
in sich selbst erforscht haben. Die Ergebnisse des Berliner
Schulversuchs mögen zur Bestätigung hier herangezogen werden.
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Musik machen, um intelligent zu werden?
Auch wenn also bislang wenig
wissenschaftlich fundierte Beweise existieren, möchte ich doch zum
Schluss ein Plädoyer für die positiven Auswirkungen des Musizierens auf
die Gardner’schen Intelligenzfertigkeiten halten. Musizieren
gehört zu den schwierigsten menschlichen Leistungen. Gehörsinn, Motorik,
Körperwahrnehmung und Hirnzentren, die Emotionen verarbeiten, werden
gleichzeitig beansprucht. Und dabei ist eine wahre Herkulesarbeit zu
leisten. Allein für die Verarbeitung der beim Musik-Hören entstehenden
Eindrücke benötigen wir ungefähr 100 Milliarden Nervenzellen. Um das
Gehör als strengen Richter zufrieden zu stellen, muss die Sensomotorik
beim Musizieren Höchstleistungen an räumlich-zeitlicher Präzision in der
Größenordnung von Millimetern und Millisekunden erbringen. Durch zähes,
jahrelanges Üben werden überaus komplizierte feinmotorische
Steuerprogramme erstellt, die dann genau im richtigen Moment abgerufen
werden. Aber beim Musizieren muss ein Musiker das alles vergessen und
mit seinem Instrument Dinge sagen, die mit Worten nicht auszudrücken
sind.
Und daher ganz zum Schluss ein Appell: Musik und Musizieren brauchen
keine vordergründige Legitimation, niemand würde auf die absurde Idee
kommen, Musik zu machen, um intelligent zu werden. Nein, Musik ist eine
menschliche Notwendigkeit und ein Teil unseres Lebens. Der Umgang mit
Musik gehört in unsere Gesellschaft, weil Musik eine der wenigen
Möglichkeiten darstellt, Zugang zu den Dimensionen des Unaussprechlichen
zu finden. In einer Welt der alles überflutenden medialen
Geschwätzigkeit von Talkshows, Big-Brothers und Reality-TV brauchen wir
Reservate des Nicht-mit-Worten-Sagbaren und Schutzzonen der Emotionen.
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Musik machen,
um intelligent zu werden?
Auch wenn also bislang wenig
wissenschaftlich fundierte Beweise existieren, möchte ich doch zum
Schluss ein Plädoyer für die positiven Auswirkungen des Musizierens auf
die Gardner’schen Intelligenzfertigkeiten halten. Musizieren
gehört zu den schwierigsten menschlichen Leistungen. Gehörsinn, Motorik,
Körperwahrnehmung und Hirnzentren, die Emotionen verarbeiten, werden
gleichzeitig beansprucht. Und dabei ist eine wahre Herkulesarbeit zu
leisten. Allein für die Verarbeitung der beim Musik-Hören entstehenden
Eindrücke benötigen wir ungefähr 100 Milliarden Nervenzellen. Um das
Gehör als strengen Richter zufrieden zu stellen, muss die Sensomotorik
beim Musizieren Höchstleistungen an räumlich-zeitlicher Präzision in der
Größenordnung von Millimetern und Millisekunden erbringen. Durch zähes,
jahrelanges Üben werden überaus komplizierte feinmotorische
Steuerprogramme erstellt, die dann genau im richtigen Moment abgerufen
werden. Aber beim Musizieren muss ein Musiker das alles vergessen und
mit seinem Instrument Dinge sagen, die mit Worten nicht auszudrücken
sind.
Und daher ganz zum Schluss ein Appell: Musik und Musizieren brauchen
keine vordergründige Legitimation, niemand würde auf die absurde Idee
kommen, Musik zu machen, um intelligent zu werden. Nein, Musik ist eine
menschliche Notwendigkeit und ein Teil unseres Lebens. Der Umgang mit
Musik gehört in unsere Gesellschaft, weil Musik eine der wenigen
Möglichkeiten darstellt, Zugang zu den Dimensionen des Unaussprechlichen
zu finden. In einer Welt der alles überflutenden medialen
Geschwätzigkeit von Talkshows, Big-Brothers und Reality-TV brauchen wir
Reservate des Nicht-mit-Worten-Sagbaren und Schutzzonen der Emotionen.
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Appendix
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Fußnoten
1 Terman LM, Oden MH.
Genetic studies of Genius: Mental and physical traits of one thousand
gifted children. Stanford University Press, Stanford, 1925
2 Bastian HG. Musik(erziehung) und ihre Wirkung.
Schott, Mainz 2000
3 HAZ, 4. April 1999
4 Spearman C. General intelligence, objectively determined
and measured. American Journal of Psychology 15: 201-293 (1904)
5 Gardner H. Frames of Mind. Basic Books, New York,
1983
Gardner H. Kreative Intelligenz. Campus Verlag, Frankfurt, 1999
6 Behne, KE. Vom Nutzen der Musik. Musikforum 82:
27-39 (1995)
7 Weber EW, Spychiger M, Patry JL. Musik macht Schule.
Blaue Eule Verlag, Essen, 1993
8 Scott L. Attention and perseverance behaviours of
preschool children enrolled in Suzuki violin lessons and other activites.
Journal of Research in Music Education 40: 225-235 (1992)
9 Bastian HG. Musik(erziehung) und ihre Wirkung.
Schott, Mainz 2000
10 Altenmüller E, Bangert M, Liebert G, Gruhn W: Mozart in
Us: How the Brain processes Music. Medical Problems of Performing
Artists 15: 99-106, (2000)
11 Gruhn W. Der Musikverstand. Olms-Verlag,
Hildesheim, 1998 |
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Literaturhinweise
Amunts K, Schlaug G, Jäncke L,
Steinmetz H, Schleicher A, Dabringhaus A, Zilles K.: Motor Cortex and
Hand Motor Skills: Structural Compliance in the Human Brain. Human
Brain Mapping 5: 206-215 (1997)
Bangert M, Parlitz D, Altenmüller. Wie auditorische und
sensomotorische Hirnfunktionen beim Klavierlernen verschmelzen. Eine
Untersuchung von Großhirnaktivierungsmustern. Musikphysiologie und
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© 2003 Helbling Verlagsgesellschaft, Rum/Innsbruck
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